Koordinierungszentrum Deutsch-Tschechischer Jugendaustausch TANDEM
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D - 93047 Regensburg
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E-Mail:
vonkleinauf@tandem-org.de
Das Projekt "Von klein auf - Odmalička. Deutsch-tschechische Zusammenarbeit im Vorschulbereich" wird von der Europäischen Union kofinanziert.

Der Europäische Fonds für regionale Entwicklung: Investition in Ihre Zukunft.

Kindertagesstätte „Knirpsenland“, Oderwitz + MŠ Pampeliška, Jablonec nad Nisou
Deutscher Projektpartner:
Integrative Kindertagesstätte „Knirpsenland“, Hauptstrasse 124, 02791 Oderwitz
Ansprechpartnerinnen: Bettina Jungnickel, Silke Kirchner
Träger: Gemeinde Oderwitz
Tschechischer Projektpartner:
Mateřská škola Pampeliška, Lovecká 11, 466 01 Jablonec nad Nisou
Ansprechpartnerin: Květa Šelbická, Kateřina Sýkorová
Träger: Stadtverwaltung Jablonec nad Nisou
www.mspampeliska.cz
Ziele und kurze Charakteristik der Zusammenarbeit:
Die Zusammenarbeit ist in erster Linie auf das frühe Erlernen der Nachbarsprache ausgerichtet. In der Kindertagesstätte Knirpsenland in Oderwitz widmen sich die Kinder seit 2004 einmal in der Woche der tschechischen Sprache, der Kindergarten „Pampeliška“ bietet jeden Tag 10 – 45 Minuten lang Deutschunterricht an. Bislang wurde dazu die Sprachanimation als Methode angewandt.
Eine Fremdsprache ist für Kinder nichts Abstraktes, nichts Fernes, im Gegenteil – sie ist ein praktisches Mittel für die Kommunikation mit den gleichaltrigen Freunden aus dem Partnerkindergarten. Die Kinder aus Oderwitz und Jablonec treffen sich jeden Monat, damit sie einen besonderen Tag miteinander verbringen können. Dadurch entwickelt sich auf natürliche Weise die Sprachkompetenz der Kinder: Verständnisfähigkeit, die praktische Anwendung der bisherigen Kenntnisse und das Bewußtsein darüber, dass es noch andere Sprachen als die eigene Muttersprache gibt.
Bei den gemeinsamen Veranstaltungen stellen die Kinder und Erzieherinnen das alltägliche Leben, die Traditionen und Kultur vor. Dabei erfahren sie viel Neues und bekommen die Möglichkeit, Ähnlichkeiten und Unterschiede der beiden Länder miteinander zu vergleichen. So besuchte zum Beispiel der Nikolaus die Kinder oder sie suchten gemeinsam den Osterhasen. Sie verbrachten einen gemeinsamen Spielenachmittag mit Wettbewerb und tollen Preisen, veranstalteten ein Gartenfest mit Lagerfeuer, feierten Fasching oder trafen sich zum Tag der Kinder. Im Jahr 2010 nahmen die Kinder an einem gemeinsamen Projekt „Natur ohne Grenzen“ teil (initiiert von Naturschutzzentrum Zittauer Gebirge). Die „Freunde ohne Grenzen“ unternahmen Ausflüge in die Umgebung von Oderwitz und Jablonec, bereiteten eine Theatervorstellung über die Natur in der Umgebung vor, besuchten eine Ziegenfarm und lernten traditionelles Handwerk kennen.

Zeitraum und Entwicklung der Zusammenarbeit:
Die Erzieherinnen aus den Kindergärten in Jablonec n.N.und Oderwitz lernten sich auf weiterbildenden Seminaren der Organisationen Pontes und Tandem im Herbst 2007 kennen. Die Idee, zusammen zu arbeiten, setzten sie sofort um – im Herbst und Winter 2007/2008 trafen sich die pädagogischen Fachkräfte beider Kindergärten, damit sie die Partnereinrichtung kennenlernen und gemeinsame Aktivitäten planen können. Kurz danach folgten die ersten Treffen der Kinder, die vorerst an traditionellen Feiertagen und Festen stattfanden.
Seit dem Jahr 2008 organisieren die Kindergärten ca. 10 gemeinsame Veranstaltungen im Jahr. Die fünfundfünfzig-Kilometer lange Entfernung zwischen den Städten überwinden sie mit dem Bus. Die Grenze in den Köpfen der Kinder verschwindet dank der langjährigen Zusammenarbeit nach und nach. Auch von den Eltern werden die deutsch-tschechischen Aktivitäten positiv aufgenommen und das Interesse für „Deutsch- und Tschechischunterricht“ steigt. Darum planen die Kindergärten im nächsten Jahr die Verdoppelung der gegenseitigen Besuche. Tschechische und deutsche Vorschulkinder treffen sich dann alle 14 Tage.
In der Zukunft möchten die Erzieherinnen beider Einrichtungen die sog. Immersionsmethode einführen. Dazu kommt einmal in der Woche eine Erzieherin aus Oderwitz in den tschechischen Kindergarten und am gleichen Tag kommt eine tschechische Kollegin aus Jablonec nad Nisou in den deutschen Kindergarten. So können die Kinder einen ganzen Tag in der fremden Sprache kommunizieren.
Zahl der Teilnehmer/-innen:
Tschechischer Projektpartner: 15 - 25 Kinder + 1 – 2 Fachkräfte + 3 Elternteile (an manchen Veranstaltungen nehmen alle Kinder und Erzieher/-innen teil, das sind dann bis zu 75 Personen)
Deutscher Projektpartner: 17 – 20 Kinder + 2 Fachkräfte + 2 - 4 Elternteile
Finanzierung:
Förderprogramm „Von klein auf – Odmalička“ (Dezember 2007 – April 2008); Förderprogramm „Odmalička“ (2010); Forum Lingua, Deutsch-Tschechischer Zukunftsfonds 2009+2010; Träger; Elternbeiträge; Spenden; Kleinprojekt der Euroregion Neisse-Nisa-Nysa 2010-2011 (Antrag läuft)
Schwierigkeiten bei der Zusammenarbeit und deren Überwindung:
Tschechische Partnereinrichtung:
Das erste Problem war zunächst einmal, eine deutsche Partnereinrichtung zu finden – dabei haben uns dann die Organisationen Pontes, Forum Lingua und Tandem geholfen. Die Erzieher/-innen und die Eltern des tschechischen Kindergartens haben die Zusammenarbeit mit einem deutschen Kindergarten von Anfang an unterstützt. Im Kindergarten gibt es schon seit längerem einen Deutsch-Kurs, und so war es eher eine Erweiterung der Aktivitäten und kein zusätzliches neues Angebot.
Ein großes Problem bestand darin, das Projekt im Kindergarten mit seinen insgesamt 17 dazugehörigen Einrichtungen durchzusetzen. Erst mit der Auflösung des gemeinsamen Rechtssubjekts, unter dem die Kindergärten zusammengefasst waren, konnte das Problem gelöst werden. Die Leiterin des eigenständigen Kindergartens unterstützte das Projekt und nahm im Rahmen ihrer Möglichkeiten an den Veranstaltungen des Projekts teil. Die gesamte Verantwortung für das Projekt und für die Ausflüge der Kinder nach Deutschland übergab sie einer Erzieherin, die das Projekt initiierte und die Deutsch-Kurse durchführt.
Ein weiteres Problem gab es bei der Verpflegung der deutschen Kinder im tschechischen Kindergarten. Solange der tschechische Kindergarten keine entsprechende Bewilligung hatte, durfte kein Essen an die deutschen Kinder verteilt werden. Dieses Problem wird zum Beispiel so gelöst, dass die Kinder außerhalb des Kindergartens essen.
Zur erfolgreichen Umsetzung eines Projekts gehören auch finanzielle Mittel. Die Eltern der Kinder können und wollen nicht alles selbst zahlen, deshalb muss wenigstens ein Teil der Ausgaben aus anderen Quellen gezahlt werden.
Es gibt noch eine Reihe weiterer Probleme, die in Verbindung mit dem Projekt stehen. Dazu gehört zum Beispiel der zeitliche Anspruch, den ein solches Projekt fordert. „Aber solange wir etwas Neues, Ungewöhnliches machen wollen, müssen wir mit Problemen rechnen und sie schrittweise lösen. Neben der Begeisterung für das Projekt ist es auch notwendig, ausdauernd zu sein und sich nicht von Schwierigkeiten und einer nicht wohlgesinnten Umgebung abbringen zu lassen. Das Ergebnis sind Vergnügen und zufriedene Kinder – und das überwiegt die paar Probleme“ erzählt eine Erzieherin aus dem Jablonecer Kindergarten Pampeliška.
Deutsche Partnereinrichtung:
Zu Beginn der Zusammenarbeit gab es viele Fragen innerhalb des Teams. Wie funktioniert die Verständigung? Was sagen die Eltern dazu? Doch gleich nach dem ersten Besuch im Nachbarland waren alle Bedenken beseitigt, denn die deutschen und tschechischen Erzieherinnen waren sich von Anfang an sehr sympathisch.
Die größte Schwierigkeit bei der Zusammenarbeit besteht in der Entfernung. Jablonec nad Nisou und Oderwitz liegen ca. 55 km voneinander entfernt. Für ein gemeinsames Treffen müssen immer eine Stunde Fahrzeit und hohe Buskosten eingeplant werden. Öffentliche Verkehrsmittel stehen leider nicht im „kinderverträglichen“ Rahmen zur Verfügung. Die Kosten für einen Sonderbus müssen aus Fördermitteln oder Eigenbeiträgen der Eltern bezahlt werden, was nicht immer ganz einfach ist, denn die Förderanträge sind sehr arbeitsintensiv.
Auch die vorhandenen räumlichen Bedingungen sind nicht optimal für die gemeinsamen Aktionen. Um den Kindern ausreichend Platz für Aktionen und Spiele zu bieten, werden oft Treffen außerhalb des Kindergartens vereinbart.
Überwindung der Sprachbarriere:
Bei der Einführung des Sprachprojektes gab es Diskussionen über die Notwendigkeit, im Kindergartenalter eine zweite Sprache zu erlernen. Diskutiert wurde dabei auf der Grundlage der neusten Forschungsergebnisse. Dabei wurden die Erzieherinnen von Eltern unterstützt, die in ihrem Berufsleben eine fremde Sprache anwenden. Außerdem wurde auf den Vorteil der geografischen Lage der Kindereinrichtungen im Dreiländereck Deutschland – Polen – Tschechien hingewiesen.
Inzwischen gibt es keine nennenswerten Probleme mehr mit der Sprache. Die Erzieherinnen können sich leicht verständigen – zwei tschechische Erzieherinnen sprechen hervorragend deutsch und eine Erzieherin aus Oderwitz wiederum spricht tschechisch. Die Kinder haben die Sprachbarriere irgendwie gelöst. Während des ersten Besuchs spielen eher die tschechischen und deutschen Kinder eher unter sich, aber wenn sie nicht „mit Gewalt“ motiviert werden, spielen sie bald alle gemeinsam und dabei verständigen sie sich immer irgendwie. Falls es notwendig ist, wenden sie sich an die Erzieherin aus dem anderen Land, es macht ihnen großen Spaß, sich mit ihr zu verständigen.
Zitate aus den Projektberichten:
Kindergarten Pampeliška Jablonec nad Nisou:
„Die Kolleginnen aus dem Kindergarten Knirpsenland sind richtige Seelenverwandte mit ähnlichen Ansichten.“
„Nach jedem Besuch frage ich die Eltern, ob und was ihnen die Kinder erzählt haben. Bis heute habe ich keine negative Antwort bekommen.“
„Kinder haben in einer kurzen Zeit ein Bewusstsein dafür entwickelt, dass nicht weit hinter der Grenze Kinder leben, die zwar eine andere Sprache sprechen, aber genauso spielen wie sie. Sie haben gelernt, dass sie sich trotz der anderen Sprache verständigen können. Man kann sehen, dass sich einige Kinder besonders mögen und einander bei den Begegnungen suchen. Es ist wichtig, dass sie wissen, warum sie deutsch lernen und es ist schön, wenn sie dann alle gemeinsam spielen oder ein Lied singen.“
Integrative Kindertagesstätte „Knirpsenland“:
„Aufgrund der Grenznähe kann es doch nur von Vorteil sein, den Nachbarn kennenzulernen.“
„Auf spielerische Art lernen die Kinder die tschechische Sprache kennen. Den Kleinen macht es Freude und es bietet ihnen später bessere Berufschancen.“
„Jahresausklang … und das natürlich gemeinsam. Ein erlebnisreiches Jahr 2009 geht zu Ende. Die Partnerschaft unserer beiden Einrichtungen hat sich gefestigt und zu einer guten beständigen Freundschaft entwickelt. Die Kinder, Erzieherinnen, Lehrerinnen und die Eltern lernten sich besser kennen. Gemeinsam lernten wir Sprache, Brauchtum und Umgebung kennen. Wir haben eine Brücke über eine Grenze bauen dürfen.“
Öffentlichkeitsarbeit:
Artikel „Kinder lernen spielend die tschechische Sprache“ in Sächsische Zeitung, Ausgabe Zittau, 22. 2. 2008
Artikel „Kita veranstaltet Fest mit Tschechischen Partnern“ in Sächsische Zeitung, Ausgabe Zittau, 27.04.2009
Artikel „Partnerprojekt zweier Kitas wird am am Donnerstag vorgestellt“ in Sächsische Zeitung, Ausgabe Zittau, 29.9.2009
Artikel „Kinder überzeugen Regierungen“ in Sächsische Zeitung, Ausgabe Löbau, 5.10.2009
Artikel „Deutsche und tschechische Kinder besuchen Wetterstudio“ in Sächsische Zeitung, Ausgabe Zittau, 11.11.2009
Artikel „Saskou delegaci zaujala jazyková hravost dětí“ 4. 10. 2009 in Jablonecký deník
Letzte Aktualisierung: 23.8.2010